Ruta 40 – Legende, Landschaft, Löse-Schrauben

Wenn man mit dem eigenen Fahrzeug durch Argentinien reist, führt irgendwann kein Weg mehr an ihr vorbei: der legendären Ruta Nacional 40, oder kurz Ruta 40 – eine der beiden großen Traumstraßen Südamerikas.

Sie verläuft mehr als 5.000 Kilometer entlang der Anden, von der Südspitze Patagoniens bis hinauf an die bolivianische Grenze – und ist für viele Reisende ein Symbol für Freiheit, Weite und echtes Offroad-Feeling.

Erst mal den Reifendruck senken
Ab auf den Ripio Teil

Unsere Reise beginnt: Villa La Angostura & die Ruta de los Lagos

Für uns begann das Abenteuer auf der Ruta 40 in Villa La Angostura, wo wir direkt in den ersten traumhaften Abschnitt eintauchten: die wunderschöne Ruta de los Siete Lagos. Diese Strecke ist landschaftlich ein absoluter Genuss – glitzernde Seen, dichte Wälder und majestätische Berge. Unseren ausführlicher Bericht zur Ruta de los Siete Lagos findet ihr hier. 

Doch nach dem Postkarten-Panorama kam der andere, weniger idyllische Teil der Realität – und mit ihm unser Respekt vor der berüchtigten Ripio-Piste.

Fast 100 Kilometer Schotter auf der Ruta 40 – willkommen im echten Overlander-Leben

Auf dem Weg nach Malargüe warteten fast 100 Kilometer Schotterpiste (Ripio) auf der Ruta 40 auf uns. Diesmal waren wir aber besser vorbereitet.

Unsere Geheimwaffe:

Vorne am Unimog klebt nun eine kleine Tabelle mit den passenden Reifendruckstufen – für Straße, Ripio, Sand und Notfälle. So mussten wir nicht jedes Mal überlegen, sondern konnten einfach nach Plan handeln.

Und ja, wir haben es wieder gedacht: Hätten wir doch die Reifendruckregelanlage eingebaut… Aber dann rechnen wir nach und denken:
Für das Geld können wir noch viele Male selbst ablassen und aufpumpen.

Unsere Bilanz und ein wichtiges Learning:

  • Druck ablassen: ~30 Minuten

  • Druck wieder drauf: ~30 Minuten – ein kleines Workout inklusive

  • Wirklich niemals den Mückenspray vergessen sonst fühlt man sich schnell zu sehr angegriffen
Ruta 40-5
Immer wieder schöne Aussichtspunkte
Entlang der Ruta 40
Wunderschöne Schlafzplätze

Schrauben, die wandern auf der Ruta 40 – und Lektionen fürs Leben

Nach etwa zwei Stunden feinstem argentinischen Schotter auf der Ruta 40 hat sich unser Unimog dann ganz sanft selbst ein klein wenig zerlegt:

Plötzlich fällt eine Schraube von der Decke – direkt in unseren Schoß. Glück gehabt! Sie hatte sich aus der Klimaanlage gelöst. Kurz darauf entdecken wir noch weitere lose Schrauben, unter anderem am Durchstieg.

Und als wir beim Aufpumpen aussteigen, bemerken wir: Der Wagenheber hängt nur noch an einem einzigen Befestigungsbolzen. Der andere? Irgendwo in Argentinien auf der Ruta 40 verstreut. Auch das hätte ordentlich schiefgehen können.

Also:

  • Wagenheber raus

  • Bolzen sichern

  • Und: Wieder was gelernt.

Früher dachten wir immer, solche Geschichten wären übertrieben. Heute sagen wir: Nach jeder längeren Ripio-Fahrt – einmal alles durchchecken. Wirklich. Alles.

Loser Wagenheber
Der lose Wagenheber
Ruta 40-4
Am Ende ist man ganz froh, wenn man Asphalt sieht

Solidarität auf Schotter: Menschen, die helfen

Was uns aber auch jedes Mal berührt, ist die Hilfsbereitschaft entlang der Ruta 40:

Nahezu jedes Fahrzeug, das an uns vorbeifuhr (es waren nur vier), hat angehalten oder zumindest gefragt, ob alles in Ordnung ist – immerhin ist die Straße auch nicht viel befahren und hat zum Großteil kein Handy-Netz. In einer Welt, in der es oft schnell und anonym zugeht, ist das eine schöne Erinnerung an Menschlichkeit und Gemeinschaft – besonders unter Reisenden und Einheimischen in ländlichen Gegenden.

Die Ruta 40 ist keine einfache Straße. Sie ist eine Erfahrung.

  • Mal malerisch und ruhig,

  • mal rüttelnd und schraubenlösend,

  • aber immer unvergesslich.

Für uns war sie ein weiteres schönes Kapitel in unserem Overlander-Alltag. Wer noch ein wenig mehr zur Ruta 40 nachlesen will, hier haben wir euch den Wikipedia Eintrag verlinkt.