Freiraum auf Reisen – Wie wir auf 9,5 m² gut miteinander auskommen
Wer auf Reisen geht, sucht oft das große Abenteuer – die Weite, das Unbekannte, das Freiheitsgefühl.
Was man dabei aber schnell lernt: Freiheit fängt im Kopf an – besonders, wenn man 24/7 auf 9,5 Quadratmetern zusammenlebt.
Willkommen in unserem kleinen Reich: dem Unimog Mambo – Zuhause, Büro, Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer und Rückzugsort in einem.
Und ja: Manchmal ist der Raum einfach zu klein für zwei Meinungen.
Zwei Zonen, ein Zuhause: Unser „Raumkonzept“
Wir haben in unserem Mambo zwei klar definierte Bereiche:
Das Festbett, liebevoll die Box genannt
Die Sitzecke, die wir in stolzer Übertreibung den Ballsaal nennen
Aus dem Weg gehen? Nicht wirklich möglich.Aber: Freiraum auf Reisen schaffen – das geht trotzdem. Man braucht nur ein paar Strategien – und Humor.
Noise Cancelling = Peacekeeping
Unsere größte Entdeckung in Sachen Rückzug: Noise-Cancelling-Kopfhörer.
Wenn sich einer mit Kopfhörern in die Box einkuschelt, ist das bei uns das stille Zeichen:
Ich brauch’ jetzt mal kurz Ruhe.
Das bedeutet nicht, dass man sauer ist – nur, dass man kurz abschalten, surfen, Musik hören oder in eine Serie abtauchen will. Und das darf sein. Muss sogar.
Alleinzeiten einplanen – auch wenn man gemeinsam reist
Monika wandert gerne. Und manchmal auch einfach los – ohne Ziel, aber mit dem Wunsch, den Kopf frei zu kriegen.
Christoph bleibt dann am Mambo, genießt die Stille und schaut vielleicht, wer so am Standplatz vorbeiläuft, meistens knüpft er dann Kontakte mit Land und Leuten.
Wenn Christoph neue Overlander kennenlernt, nutzt Monika das gerne für ein paar ruhige Stunden für sich.
Wichtigste Erkenntnis: Es ist okay, wenn man mal nichts zusammen machen möchte.
Offenheit & Ehrlichkeit – Reden hilft (wirklich)
Wenn uns etwas nervt, dann sprechen wir’s an – am besten sofort, bevor sich Frust anstaut.
Und wenn’s mal einen „Ich mag grad einfach nicht reden“-Tag gibt?
Dann sagen wir das auch. Und das ist vollkommen in Ordnung.
Rituale, die verbinden – und verbinden lassen
Was uns emotional erdet, sind unsere kleinen Rituale:
Kaffeeritual per Video: Alle zwei bis drei Wochen plaudern wir mit unseren besten Freunden. Ganz entspannt, einfach so – über’s Leben, übers Wetter, über Kuchen.
Ätherische Öle im Mambo: Monika sorgt regelmäßig für Stimmung – mal mit Zitrus, mal mit Lavendel, an Weihnachten natürlich mit Fichtenduft. Da fühlt sich selbst der staubige Andenpass ein bisschen nach Zuhause an.
Heimweh? Weniger als gedacht. Nähe trotz Distanz.
Tatsächlich haben wir selten Heimweh.
Warum? Weil wir regelmäßig mit Familie und Freunden per Videocall in Kontakt sind – und weil wir uns in unserem kleinen Mambo einfach zuhause fühlen.
Zum Thema Kommunikation auf Reisen haben wir ja auch schon mal was geschrieben.
Persönliche Marotten? Ja. Und das ist gut so.
Jeder von uns hat so seine Eigenheiten – und wir haben gelernt, sie nicht nur zu akzeptieren, sondern sie in den Reisealltag zu integrieren:
Monika hat ihre „unordentliche Box“, in der wild gesammelt wird, was man halt so braucht. Christoph darf da nicht ran – ist eben ihr kreatives Chaos.
Dafür ist Christoph der Ordentliche. Der, der lieber alles hübsch arrangiert.
Und: Christoph sorgt fürs „Schönmachen“, Monika für’s „Praktische“.
9,5 m² – das klingt nach Enge. Aber wenn man sich Raum im Alltag, Respekt und Aufmerksamkeit in kleinen Momenten sowie ehrliche Gespräche erlaubt, fühlt sich das Leben darin größer an, als man denkt.